23. Februar 2017

Positionspapier zum künftigen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) Ulm

Regionale Busunternehmer, der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer e.V. (WBO), die IHKs Schwaben und Ulm stellten am 23. Februar ein Positionspapier mit sieben Forderungen für eine zukunfts- und fahrgastgerechte Ausgestaltung des künftigen ZOB im Haus der Wirtschaft vor. Anlass ist die Sorge, dass im Zuge der Neugestaltung des Ulmer Hauptbahnhofsbereichs der ÖPNV aus dem ländlichen Umland nicht ausreichend berücksichtigt werde.
Die regionalen Busunternehmen, der Omnibus-Verband, die IHKs Schwaben und Ulm befürchten, dass mit der Umgestaltung und Neuordnung des gesamten Hauptbahnhofbereichs in Ulm auch der Zuschnitt und die Zufahrt-Situation des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) in Frage gestellt werden. „Gerade weil Detailplanungen hierfür nicht bekannt sind, ist es den betroffenen Busunternehmern, dem Verband und IHKs wichtig, frühzeitig auf die funktionalen Anforderungen an einen neugestalteten ZOB hinzuweisen. Denn die Erreichbarkeit, die Lage, die Größe und Funktionalität des ZOB seien entscheidend für die Attraktivität und Zuverlässigkeit des Verkehrsmittels Bus und damit für die Anbindung des Umlandes an die Mobilitätsdrehscheibe im Bereich des Hauptbahnhofs und an die Ulmer Innenstadt", erläutert Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm den Hintergrund des Vorstoßes.
In Ulm bildet der Hauptbahnhofsbereich für Pendler, Kunden, Reisende, Schüler und Einwohner das zentrale Eingangstor in die Stadt. Gleichzeitig ist das Gebiet der zentrale Dreh- und Angelpunkt des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs. Das Mobilitätsbedürfnis dieser Gruppen wird zum einen durch den Individualverkehr und zum anderen in großem Maße durch den ÖPNV abgedeckt. Am ZOB fahren heute Werktags rund 500 Busse ab und etwa genauso viele kommen dort an. Dadurch ergeben sich rund 10.000 Nahverkehrs-Nutzer pro Tag. Für die künftige Ausgestaltung muss neben dem Status quo aber auch die Attraktivität der Region berücksichtigt werden: Ulm und das Umland wachsen rasant. Nach Vorausrechnungen der Statistischen Landesämter wird der Verflechtungsbereich Ulm (Kreise Alb-Donau, Biberach, Neu-Ulm und Ulm) bis 2030 um mehr als 30.000 Personen wachsen. „Diese Entwicklung führt zu einem erheblichen Wachstum des Mobilitätsbedarfs in das gemeinsame Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm. Für die Erschließung und Anbindung des Umlands mit ÖPNV sorgen unsere zahlreichen Regionalbuslinien“, so Oliver Stipar, Regionalgeschäftsführer Neu-Ulm der IHK Schwaben. Die Gestaltung des ZOB ist daher mit Blick auf die Leistungsfähigkeit der nächsten Jahrzehnte auszulegen.
„Aus Sicht der Beteiligten geht es vor allem um die Größe und damit eng verbunden die Zufahrt zum künftigen ZOB. In allen Planungen müssen die Voraussetzungen beachtet werden, um den ÖPNV für Fahrgäste attraktiv zu gestalten und damit Pkw-Fahrten zu reduzieren. Daher haben wir sieben Forderungen aufgestellt, die aus Sicht der Regionalbuslinienbetreiber beachtet werden müssen“, so Oliver Hilbring vom WBO. 
Die Forderungen der Wirtschaft sind:
1.      Im Sinne der Kundenorientierung muss sich der künftige ZOB an der bisherigen zentralen Stelle im Bahnhofsbereich befinden. Nur das bedeutet kurze Wege für die Fahrgäste. Eine mögliche Beibehaltung der Aufteilung in einen ZOB Ost und ZOB West nach Ende der Baumaßnahmen wird abgelehnt. 
2.      Die bisherige Kapazität des ZOB muss beibehalten oder sogar erhöht werden, um die Tragfähigkeit des ÖPNV und den Verkehrsfluss im Bahnhofsbereich sicherzustellen. Dazu ist die Wiederherstellung der bisherigen Größe des ZOB vor den Baumaßnahmen eine Voraussetzung. Der Bus ist ein notwendiges Substitut zum Pkw-Verkehr und wird zwingend benötigt, wenn weitere Rückbaumaßnahmen im Straßennetz drohen. 
3.      Ein attraktiver ÖPNV braucht Flächen direkt am ZOB mit Wachstumsoptionen. Dadurch werden möglichst viele Umsteigeanschlüsse für Fahrgäste erreicht. Eine zu geringe Größe des ZOB darf nicht dazu führen, dass Ausschlüsse in der Fahrplangestaltung entstehen. Spätere Angebotsausweitungen könnten dann nicht mehr berücksichtigt werden. 
4.      Die Buslinien aus der Region müssen auch künftig direkt bis zum ZOB reichen. D.h. es darf keine „Brechung“ einzelner Linien geben. Sonst drohen deutliche Rückgänge der Nutzerzahlen: 20 bis 30 Prozent Fahrgastverlust auf einzelnen Linien bestätigt ein Gutachten für Neu-Ulm. Notwendige Fahrten werden dann mit dem Privatfahrzeug durchgeführt, was mehr Pkw-Fahrten bedeutet und das Straßennetz zusätzlich belastet. Gleichzeitig sollen aber Straßen, wie die Friedrich-Ebert-Straße zurückgebaut werden. Solche Planungen stehen daher dem Ziel, den ÖPNV zu stärken weit entgegen. 
5.      Der ZOB Ulm in der bisherigen Größe bedingt die Wiederherstellung der bisherigen Zufahrt unmittelbar südlich angrenzend an den Bahnhofssteg. Eine Verschiebung der Zufahrt auf Höhe der Ausfahrt des Parkhauses Deutschhaus würde mit einer Verkleinerung der Fläche einhergehen. Zudem entstünden komplexere Verflechtungs- und Abbiegebeziehungen, die eine deutlich höhere Störungsanfälligkeit und damit Unfallgefahr nach sich ziehen. Für die Flüssigkeit des Verkehrs auf der Friedrich-Ebert-Straße ist die bisherige Lage der Zufahrt ideal, da für Buslinien eine separate Aufstellfläche eingerichtet werden kann. Wartezeiten können damit verringert werden.  
6.      Der Linienverkehr benötigt im künftigen ZOB Warte- und Abstellflächen. Denn für die Sicherheit der Fahrgäste und anderer Verkehrsteilnehmer sind die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten gesetzlich vorgeschrieben. Busse während dieser Zeit leer aus dem ZOB und später wieder leer zurückfahren zu lassen würde mehr Schadstoffausstoß erzeugen. Dies steht der Luftreinhaltung gänzlich entgegen. 
7.      Der ZOB ist zudem in seiner Funktion als Standort für Schienenersatzverkehre zu berücksichtigen. Dies bedingt zusätzliche Flächen, da vor allem in den Spitzenzeiten zusätzliche Verkehre abgewickelt werden müssen. Eine zentrale Abfahrtshaltestelle ist wichtig, damit auch ortsunkundige Betroffene bei kurzen Umsteigezeiten ohne Umwege den richtigen Anschluss erreichen.
Rechts im Downloadbereich finden Sie das Positionspapier.
Ansprechpartner für die Redaktion:
IHK Ulm, Simon Pflüger, Tel. 0731 / 173-230,
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IHK Schwaben, Peter Stöferle, Tel. 0821 / 3162-206,
peter.stoeferle@schwaben.ihk.de