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Anhebungen der Hebesätze in den großen Kommunen (Dokument-Nr.: 21012)
STANDORTPOLITIK
2010: Kommunen erhöhen kräftig die Steuern
Viele der größeren Kommunen sind hoch verschuldet, besonders im Ruhrgebiet. Das Aufkommen an Gewerbesteuer ist mit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise deutlich zurückgegangen. Während die Gemeindefinanzkommission hierfür nach Lösungen sucht, die Regierung Sparpakete auflegt und Steuerreformen hin- und herschiebt, erhöhen die Kommunen ihre Steuern.
DIHK-Umfrage: Hebesätze steigen 2010
deutlich
2010 steigt bei den größeren Kommunen der
durchschnittliche Hebesatz der Gewerbesteuer von 432 auf 435 %, bei
der Grundsteuer sogar von 494 auf 503 %. Das ergab die DIHK-Umfrage
bei den IHKs für Kommunen ab 50.000 Einwohner. Dies sind zwar nur
1,5 % aller deutschen Kommunen, hier wohnen aber 40 % der
gesamtdeutschen Bevölkerung. Nach Zurückhaltung in den letzten
Jahren planen in diesem Jahr 13 % der großen Kommunen eine Erhöhung
der Gewerbesteuer, 26 % wollen die Grundsteuer anheben,
darunter vor allem Kommunen mit bis zu 75.000 Einwohnern. Einsamer
Spitzenreiter ist Mülheim an der Ruhr: Dort steigt der
Gewerbesteuerhebesatz 2010 von 470 auf 530 %. Für die Unternehmen
in Mülheim bedeutet dies eine Erhöhung der Gewinnsteuern von 32,3
auf 34,4 %.
Trugschluss: Ein höherer Hebesatz tut den Unternehmen
nicht weh
Viele Kommunen meinen, eine Anhebung des
Hebesatzes schade der Wirtschaft nicht, da Unternehmen die
Gewerbesteuer auf ihre Einkommensteuer anrechnen könnten. Ein
Trugschluss! Denn die Anrechnung ist unvollständig,
Kapitalgesellschaften müssen die Steuererhöhung voll tragen, auch
viele Personenunternehmen bleiben auf einem Teil sitzen, denn die
Anrechnung greift nur bis zu Hebesätzen von 380 %, und
gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen bleiben oft bei der Anrechnung
unberücksichtigt.
Zeit für eine Reform
Steuererhöhungen
sind kein Ausweg und schaden der Standortqualität. Die
Konsolidierung muss bei den Ausgaben beginnen. Die Gemeinden müssen
grundsätzlich mehr Spielraum bei den Aufgaben und damit mehr
Flexibilität bei den Ausgaben bekommen. Zugleich brauchen sie
verlässliche Einnahmen. Aus Sicht des DIHK könnte dies in Form
einer kommunalen Unternehmensteuer und eines Anteils an der Lohn-
bzw. Umsatzsteuer gelingen. Auf diesem Weg würden die Steuerzahler
wieder mehr Interesse an der Gestaltung der örtlichen Infrastruktur
haben. Hier muss die Gemeindefinanzreformkommission ansetzen, die
aus Vertretern der Bundes- und Landesregierungen sowie der
Kommunalverbände besteht.
