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PRESSE- UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2010: Positive Anzeichen mehren sich

Stimmungsbild der Branchen bleibt aber uneinheitlich

Ulm, 11. Februar 2010

Nr. 19

Die regionale Wirtschaft ist auf Erholungskurs. Vor allem der Export zieht wieder spürbar an. Allerdings bewegt sich die Wirtschaft nur langsam aus der tiefen Konjunkturtalsohle heraus. Bei den Unternehmen steigt die Zuversicht. Aber das Stimmungsbild der einzelnen Branchen bleibt uneinheitlich.

Die Stimmung der Wirtschaft in der IHK-Region Ulm hellt sich weiter auf und die im Herbst 2009 eingeleitete Trendwende aus einer tiefen Talsohle heraus hält somit an. Der IHK-Konjunkturklimaindikator , ein Maßstab für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen, konnte in den vergangenen vier Monaten deutlich an Boden gut machen. Mit 97 Zählern (Herbst 2009: 85 Zähler) notiert der Index aber weiterhin spürbar unter dem langfristigen Mittelwert.

Besonders bei den Lageurteilen stellt sich die Situation immer noch als schwierig dar. Zwar ist auch hier aufgrund sich stabilisierender Umsatzzahlen eine Besserung zu erkennen, der Indikator für die aktuelle Geschäftslage verharrt aber wie gehabt im Minusbereich. Rund 29 Prozent der Betriebe berichten von schlecht laufenden Geschäften (Herbst 2009: 36 Prozent). Dem stehen lediglich 17 Prozent mit einer guten Geschäftslage gegenüber (Herbst 2009: 19 Prozent).

Der Impuls für die Erholungstendenzen der regionalen Wirtschaft basiert somit vor allem auf der wachsenden Zuversicht der Unternehmen . Vor dem Hintergrund deutlich steigender Auftragseingänge (36 Prozent vermelden eine Steigerung; Herbst 2009: 16 Prozent), gehen gut drei von zehn Betrieben für die kommenden zwölf Monate von einer weiteren Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage aus. Deren Zahl hat sich damit binnen eines Jahres mehr als verdreifacht. Die Optimisten überwiegen nun wieder die Pessimisten. Hauptursache dieser Entwicklung ist der Export.

Auch die Investitionspläne der Betriebe legen in diesem Umfeld wieder etwas zu. Die Investitionsbereitschaft bleibt aber angesichts der unbefriedigenden Ertragssituation und der schwierigen Finanzierungsbedingungen – knapp ein Viertel der Unternehmen klagt über verschlechterte Kreditkonditionen – nach wie vor gemindert. Zudem verliert das Investitionsmotiv der Kapazitätserweiterung weiter an Bedeutung. Wenn investiert wird, dann großteils wegen Ersatzbedarfs.

Für die Beschäftigung stellt sich das Bild ähnlich dar. Angesichts der nach wie vor niedrigen Auslastung ist die Mitarbeiterzahl in vielen Unternehmen immer noch zu hoch. Zwar hat sich im Vergleich zum letzten Herbst die Situation etwas verbessert, doch immer noch plant knapp ein Viertel der Betriebe Personal abzubauen. Nur sechs Prozent rechnen mit einer steigenden Beschäftigtenzahl.

Bis jetzt hat sich die Krise deutlich schwächer auf dem regionalen Arbeitsmarkt niedergeschlagen als erwartet. Im Dezember 2009 lag die Arbeitslosenquote bei 4,1 Prozent und somit lediglich 0,9 Prozentpunkte über der Quote des Vorjahres. Allerdings sind hier auch einige temporäre Stützen wie die Kurzarbeit zu berücksichtigen. Mit zunehmender Dauer der Kurzarbeit werden die Betriebe nun mehr und mehr vor die Entscheidung gestellt, ob und in welchem Maße sie ihr Personal noch halten. Hinzu kommt, dass wohl selbst eine deutliche Erholung der Wirtschaft einen Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht verhindern kann. Denn auch bei einer ordentlichen Wachstumsrate wird die Wirtschaft noch immer weit von dem Niveau vor der Krise entfernt bleiben.

„Um die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt bestmöglicht meistern zu können, muss den Unternehmen mehr Flexibilität eingeräumt werden. Solange Firmen die Beschäftigungsverhältnisse nicht den konkreten Erfordernissen anpassen können, sondern allein das Primat sozialer Kriterien die Auswahl diktiert, scheuen die Unternehmen Neueinstellungen, weil sie nicht flexibel reagieren können”, sagt IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz. Schlussendlich führe dies zu „Einstellungsvermeidungsstrategien”, was sich nicht zuletzt in dem hohen Anteil an Zeitarbeitsverhältnisse zeige. „Diese Kausalität muss endlich begriffen und entsprechende legislative Korrekturen umgesetzt werden, will man die Zahl der Festanstellungen wieder erhöhen”, fordert der IHK-Präsident. Eine weitere massive Schwächung der Unternehmen in diesen Krisenzeiten sei der Liquiditätsentzug durch die substanzbesteuernden Elemente bei der Gewerbesteuer. „Die Behandlung von Betriebsausgaben wie Mieten, Leasingraten und Zinsen als Gewinn bei der Gewerbesteuerbemessung ist nicht nur systemwidrig, sondern gefährdet so manche Existenz”, so Kulitz.

Gebeutelte Industrie erholt sich langsam
Das schwierige Wirtschaftsumfeld hat der regionalen Industrie im vergangenen Jahr dramatische Einbrüche beschert. Die Produktion musste aufgrund des Auftragsmangels rasch heruntergefahren werden und die Auslastung der Kapazitäten sank auf historische Tiefstwerte. Zu Jahresbeginn ist die industrielle Kapazitätsauslastung zwar wieder auf 71 Prozent gestiegen. Der langjährige Durchschnitt des Auslastungsgrades wird damit aber weiter deutlich unterschritten. Dennoch hat der Anteil an Industrieunternehmen, deren Geschäfte schlecht laufen, um zehn Prozentpunkte gegenüber Herbst 2009 reduziert. Mehr als die Hälfte verzeichnen nun eine befriedigende Lage. Dabei berichten die einzelnen Industriezweige von sehr unterschiedlichen Gegebenheiten. Während die Vorleistungsgüter- sowie die Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten die Aufwärtsentwicklung in der Industrie stützen, musste die Investitionsgüterindustrie in den vergangenen Monaten einen erneuten Rückschlag hinnehmen. In der Folge sinkt der Indikator für die Geschäftslage in diesem Branchensegment auf den niedrigsten Stand seit deren Erfassung in der IHK-Konjunkturumfrage.

Bei den Geschäftserwartungen ist das Bild hingegen einheitlich: Hier nimmt die Zahl der Optimisten in allen Industriebereichen spürbar zu. Treiber sind ein wieder erstarktes Auslandsgeschäft und damit verbunden ein Anstieg der Auftragseingänge . Insgesamt betrachtet kann die Industrie damit sogar die besten Aussichten aller Branchen verzeichnen, wenngleich natürlich das geringe Niveau zu berücksichtigen ist, auf welchem die optimistischen Erwartungen beruhen. Und auch die Investitions- und Beschäftigungspläne hellen sich wieder etwas auf.

Diese Indikatoren sind aber weiter mit einem negativen Vorzeichen versehen. Von Personalaufbau sprechen gerade einmal ein Prozent von Stellenabbau 29 Prozent der Industriebtriebe.

Einzelhandel blickt skeptisch in die Zukunft
Die Einzelhändler waren lange Zeit von den Negativauswirkungen der Krise verschont geblieben Der private Konsum dümpelte zwar weiter so vor sich hin, die Kauflaune blieb aber zumindest relativ robust. Folglich war auch die Stimmung im Einzelhandel recht stabil. Aus Angst vor Jobverlust halten sich nun aber mehr und mehr Verbraucher mit Einkäufen zurück und die Lageurteile fallen deutlich bescheidener aus. Sollten sich zudem die Vorhersagen für den Arbeitsmarkt bewahrheiten, so ist mit weiterem Druck auf das Konsumverhalten zu rechnen. Die Einzelhändler sehen diesbezüglich wohl auch eine Gefahr, denn 40 Prozent erwarten eine schlechtere und lediglich 13 Prozent eine bessere Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Und auch die Investitionsbereitschaft bleibt eingetrübt. Bei der Beschäftigung stehen die Zeichen weiter auf Personalabbau.

Die Großhändler berichten zu Jahresbeginn von einer besseren Lage als im Herbst 2009. Während der konsumnahe Großhandel damit weiter recht gut laufende Geschäfte verzeichnen kann, stellt die Erholung im produktionsverbindenden Großhandel lediglich eine gewisse Aufwertung eines niedrigen Niveaus dar. Bei den Aussichten dreht sich allerdings das Blatt. Hier schraubt der konsumnahe Großhandel vor dem Hintergrund einer sich anbahnenden Konsumflaute seine Erwartungen zurück, und es überwiegen nun die pessimistischen Töne. Der produktionsverbindende Großhandel schwimmt hingegen auf der allgemeinen Zuversichtswelle mit und setzt seine Geschäftserwartungen deutlich nach oben.

Die Situation bei den Investitionen und der Beschäftigung bleibt in beiden Branchensegmenten angespannt.

Dienstleister stabilisieren sich
Der derzeitige Verlauf der Dienstleistungskonjunktur ist durch die Entwicklung des Auftragsvolumens geprägt. Während im Frühsommer 2009 noch eine große Zahl von Betrieben mit einer abnehmenden Nachfrage zu kämpfen hatte, nahm deren Zahl bereits bis zum letzten Herbst rapide ab.

Diese Stabilisierung der Nachfrage auf bescheidenem Niveau setzt sich nun auch zu Jahresbeginn fort und dem entsprechend hellen sich die Lageurteile auf. Für einen kräftigten Aufschwung fehlt es aber weiterhin an Nachfrage.

Diese wird in den kommenden Monaten wohl auch nicht von den Dienstleistern gesehen, denn die Erwartungen verharren weiter im neutralen Bereich: Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage. Folglich wird der Service seine Investitionsbudgets auch nur leicht erhöhen und der Personalbestand soll im Schnitt auf dem heutigen Niveau bleiben.

Innerhalb der einzelnen Servicesparten lässt sich kein einheitliches Bild erkennen. Die Geschäfte der regionalen Kreditinstitute laufen zu Beginn des Jahres 2010 besser als in den meisten anderen Branchen und ebenfalls besser als ursprünglich erwartet. Ein Grund hierfür sind sicherlich die derzeit günstigen Refinanzierungskonditionen bei der Europäischen Zentralbank. Die Kreditnachfrage von Firmen- und Privatkunden zieht aber nicht weiter an und für die kommenden zwölf Monate wird keine Verbesserung der Geschäfte gesehen.

Auch bei den unternehmensnahen Dienstleistungen sowie dem Hotel- und Gaststättengewerbe laufen die Geschäfte wieder besser. Bei letzteren ist vor allem im Beherbergungsbereich ein deutliches Plus gegenüber der Herbstumfrage auszumachen. Die jüngst von der Bundesregierung beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer für Übernachtungen dürfte hier sicher nicht unwesentlich zur Stimmungsaufhellung beigetragen haben. Doch wie der Einzelhandel schrauben auch die Betriebe des Hotel- und Gaststättengewerbes ihre Zukunftserwartungen zurück. Die unternehmensnahen Dienstleister gehen für das Jahr 2010 hingegen von einem weiteren Aufwärtstrend aus.

Besonders schwierig stellt sich die Situation nach wie vor im Verkehrsgewerbe dar. Die Auftragslage hat sich in den vergangenen vier Monaten tendenziell sogar weiter verschlechtert. Folglich gelang es auch nur wenigen Betrieben ihre ungünstige Ertragslage entscheidend zu verbessern. Der Lageindikator bleibt daher unverändert im negativen Bereich und die Geschäftserwartungen lassen in naher Zukunft auch keine deutliche Änderung dieser Situation erwarten.

Grafiken
IHK-Konjunkturklimaindex
Gesamtwirtschaft: Geschäftslage und Erwartungen
Industrie: Geschäftslage und Erwartungen
Industrie: Auftragseingänge aus dem In- und Ausland
Großhandel: Geschäftslage und Erwartungen
Einzelhandel: Geschäftslage und Erwartungen
Dienstleistungen: Geschäftslage und Erwartungen
Statistischer Anhang

Der IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung.

IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.

Zum Ausweis der Arbeitslosenquote wird im Konjunkturbericht der IHK Ulm auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die zugrunde liegende Berechnungsmethodik beruht auf dem Verhältnis der Arbeitslosen zu allen zivilen Erwerbspersonen.

Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint tertialweise. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zum3. Tertial 2009. Von über 27.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 499 Unternehmen befragt, von denen sich 268 (53,7 Prozent) an der Umfrage beteiligten.

Anmerkung:
Die IHKs in Baden-Württemberg haben zum Jahr 2007 den Modus für ihre Konjunkturumfragen umgestellt. Statt vier Umfragen werden nun nur noch drei Umfragen jährlich durchgeführt.

DOKUMENT-NR. 19707

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