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PRESSE- UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Konjunkturbericht im Herbst 2009: Regionale Wirtschaft fasst langsam wieder Tritt

Ulm, 9. Oktober 2009

Nr. 162

Die regionale Wirtschaft erhält wieder stärkere Impulse: Insbesondere die Auftragseingänge aus dem Ausland ziehen an. Anlass zur Euphorie besteht allerdings nicht, denn die Situation bleibt weiter angespannt. Zudem ist die Nachhaltigkeit der jüngsten Entwicklung noch mit vielen Fragzeichen versehen.

Das Stimmungsbild der Wirtschaft in der IHK-Region Ulm hellt sich etwas auf. Der IHK-Konjunkturklimaindikator , der sich aus einer Kombination der aktuellen Lage und den Geschäftserwartungen ergibt, kann nach Monaten des Verfalls erstmals wieder Boden gut machen. Mit 85 Zählern (+ 18 Punkte) notiert der Index aber weiter auf niedrigem Niveau.

Besonders bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage bleibt die Situation angespannt. Nach wie vor liegen die Umsätze der regionalen Wirtschaft weit hinter denen aus dem Vorjahr zurück. Bei der aktuellen Befragung (Befragungszeitraum: Ende August bis Ende September) berichteten lediglich 19 Prozent der befragten Unternehmen von gut laufenden Geschäften. Dem stünden 36 Prozent mit einer schlechten Geschäftslage gegenüber, so die IHK Ulm. Im Vergleich zu der IHK-Konjunkturumfrage aus dem Frühjahr habe sich die Lage nur minimal verbessert.

Ursache der Aufwertung des IHK-Konjunkturklimaindikators ist die Entwicklung bei den Geschäftserwartungen . Die regionalen Betriebe verzeichneten in den vergangenen vier Monaten wieder einen höheren Auftragseingang. Vor allem das Auslandsgeschäft nimmt wieder Fahrt auf. Vor diesem Hintergrund werden die Erwartungen an die Entwicklung der Weltwirtschaft nach oben geschraubt. Zudem nimmt auch das Vertrauen in die deutsche Volkswirtschaft zu. Die Umsatzprognosen für die kommenden zwölf Monate fallen daher positiver aus und der Indikator für die Geschäftserwartungen macht 33 Punkte gut. Bei einem Stand von -13 Punkten überwiegen aber weiter die Pessimisten.

Ähnlich verhält es sich bei den Investitions- und Personalplänen. Auch hier konnten die Indikatoren gegenüber der der letzten Befragung zulegen. Dennoch gehen nach wie vor mehr Betriebe von einem Rückgang der Investitionen und der Beschäftigung aus als von einer Zunahme.

„So erfreulich gewisse konjunkturelle Indikatoren auch sein mögen, kann von einem Ende der Krise keine Rede sein. Um eine akute Gefährdung von Betrieben und Arbeitsplätzen abzuwenden, muss die neue Bundesregierung sofort handeln und eine –Notfallklausel für die Lohnsummenregelung– bei der Erbschaftsteuer einführen sowie die systemwidrige Behandlung von Mieten, Leasingraten und Zinsen als Gewinn im Wege der Hinzurechnung bei der Gewerbesteuer revidieren. Gerade in der Krise hat diese Substanzbesteuerung eine fatale Auswirkung auf die Existenz von Familienbetrieben. Wir können in der jetzigen Situation nicht zuwarten, bis zu viele Unternehmen dieser unsinnigen Regelung zum Opfer fallen!", formuliert IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz die Sorge der regionalen Wirtschaft.

Gerade auf dem Arbeitsmarkt ist eine Erholung mit vielen Fragezeichen versehen. Der gegenwärtige Anstieg bei den Auftragseingängen wird nicht ausreichen, um die Lücke zu den fantastischen Umsatzzahlen bis zum Herbst 2008 zu schließen. Folglich werden weiterhin weniger Arbeitskräfte benötigt, als dies in Zeiten vor der Krise der Fall war. Das Horrorszenario von 5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland dürfte aber vom Tisch sein. Dennoch muss in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet werden.

Bereits in den vergangenen Monaten war die regionale Betroffenheit von der Krise auf dem Arbeitsmarkt abzulesen. Waren im August 2008 gerade einmal gut 8.000 Menschen ohne Arbeit, so sind es nun über 12.000. Dies entspricht einem Anstieg um etwa 50 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg dadurch binnen einen Jahres von 3,1 auf 4,6 Prozent an. Hinzu kommt eine nicht unerhebliche Zahl an Menschen, die derzeit kurz arbeiten. Gerade für diese Gruppe werden nun in den kommenden drei bis vier Monate vielerorts Entscheidungen fallen. Bis dato wurden vorwiegend Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen oder Zeitarbeiter arbeitslos.

Industrie bleibt Sorgenkind
Die exportorientierte Industrie bleibt das Sorgenkind der regionalen Wirtschaft. Die Kapazitätsauslastung ist gegenüber dem Frühjahr noch einmal um einen Prozentpunkt gesunken und verzeichnet mit 67 Prozent ein neues Rekordtief. Auch die aktuelle Geschäftslage wird weiter nach unten revidiert und fällt so ungünstig aus wie noch nie (-40 Punkte). Lediglich die Geschäftserwartungen geben mit nunmehr -13 Punkten wieder vermehrt Anlass zur Hoffnung (Vortertial -47 Punkte). Und auch die Investitions- und Personalplanungen scheinen den Tiefststand hinter sich zu haben. Die Industriebtriebe erhoffen sich in den kommenden Monaten bessere Umsatzchancen. Vor allem die Erwartungen an den Export steigen. So werden die Absatzmöglichkeiten für alle Weltmarktregionen spürbar besser beurteilt als vor vier Monaten. Für den asiatischen Raum verzeichnet das Exportklima sogar wieder ein positives Vorzeichen.

Betrachtet man die einzelnen Branchensegmente, so hat sich in der Investitions- und Vorleistungsgüterindustrie die Lage weiter eingetrübt. Die Gebrauchs- und Verbrauchsgüterproduzenten vermelden hingegen immerhin einen Stopp des Abwärtstrends. Bei den Geschäftserwartungen ist das Bild homogener: Hier hat sich die Stimmung in allen Bereichen im Vergleich zum Frühjahr verbessert, wenngleich die Intensität der Besserung recht unterschiedlich ausfällt.

Einzelhandel steht weiterhin am besten da
Der Konsum ist trotz Wirtschaftskrise nicht dramatisch eingebrochen. Daher hat der Einzelhandel auch weniger Umsatzrückgang zu verzeichnen als andere Wirtschaftszweige und steht derzeit noch am besten da. Die Situation bleibt aber schwierig. Zum einen wurde das Konsumverhalten bis jetzt durch deutlich gesunkene Inflationsraten, spürbare Lohn- und Rentensteigerungen sowie temporäre Subventionen, wie der Abwrackprämie, gestützt. Zum anderen besteht die Gefahr, dass der Einzelhandel aufgrund der steigenden Zahl an Arbeitslosen in den kommenden Monaten die Folgen der Krise erst mit zeitlicher Verzögerung zu spüren bekommt.

Nach Einschätzung der regionalen Einzelhändler war bereits in den vergangenen Monaten ein Rückgang der Kauffreude zu beobachten. Die Geschäftsaussichten bleiben daher von Skepsis geprägt und die Planungen bei Investitionen sowie Personal werden nach unten revidiert.

Im Großhandel hat sich die Stimmung wieder gebessert. Auch die Geschäftserwartungen fallen nun merklich optimistischer aus. Stütze ist dabei der konsumnahe Großhandel. Hier liegen sowohl der Lage- als auch der Erwartungsindikator im positiven Bereich. Der produktionsverbindende Großhandel vermeldet hingegen einen weiteren Abwärtstrend und die Zuversicht beim Blick in die Zukunft schwindet. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der konsumnahe Großhandel wieder vermehrt Investitionen tätigen und Arbeitsplätze schaffen will, während die Zeichen im produktionsverbindenden Großhandel auf Sparkurs stehen.

Dienstleister fangen sich wieder etwas
Bei den Dienstleistern erleben die derzeitigen Geschäfte etwas Aufwind. Der Lageindikator verzeichnet dennoch ein kleines Minus. Im Zuge der Wirtschaftskrise ist die Nachfrage nach Dienstleistungen weiterhin geringer als noch im Vorjahr. In den vergangenen Monaten war allerdings ein deutlicher Aufwärtstrend spürbar. Vor diesem Hintergrund werden die Geschäftserwartungen nach oben geschraubt. Pessimisten und Optimisten halten sich nunmehr die Waage. Und auch das Investitions- und Beschäftigungsklima verzeichnet seit dem Tiefstand im Frühjahr wieder eine Belebung.

Innerhalb der einzelnen Servicesparten lässt sich kein einheitliches Bild erkennen. So hat sich die Lage bei den unternehmensnahen Dienstleistungen nicht verbessert und im Hotel- und Gaststättengewerbe weiter eingetrübt. Letztere hatten insbesondere im Restaurationsbereich mit Umsatzrückgängen zu kämpfen.

Eine Aufhellung der Stimmungslage können hingegen das Kredit- und Verkehrsgewerbe verbuchen. Das Kreditgewerbe ist zugleich das einzige Branchensegment mit positivem Lageindikator. Hierbei spielt die verbesserte Ertragslage aus dem Zinsgeschäft eine wichtige Rolle. Im Verkehrsgewerbe sorgt der Anstieg bei der Auslastung der Fracht- und Beförderungskapazitäten für Entlastung. Dennoch bleibt die Lage in dieser Servicesparte die schlechteste.

Die Geschäftsaussichten werden von allen Dienstleistern positiver beurteilt als im Frühjahr. Dabei fällt im Kreditgewerbe der Zuwachs an Optimismus am geringsten aus.

Grafiken
IHK-Konjunkturklimaindex
Gesamtwirtschaft: Geschäftslage und Erwartungen
Industrie: Geschäftslage und Erwartungen
Industrie: Auftragseingänge aus dem In- und Ausland
Großhandel: Geschäftslage und Erwartungen
Einzelhandel: Geschäftslage und Erwartungen
Dienstleistungen: Geschäftslage und Erwartungen
Statistischer Anhang

Der IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung.

IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.

Zum Ausweis der Arbeitslosenquote wird im Konjunkturbericht der IHK Ulm auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die zugrunde liegende Berechnungsmethodik beruht auf dem Verhältnis der Arbeitslosen zu allen zivilen Erwerbspersonen.

Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint tertialweise. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zum2. Tertial 2009. Von über 26.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 510 Unternehmen befragt, von denen sich 280 (54,9 Prozent) an der Umfrage beteiligten.

Anmerkung:
Die IHKs in Baden-Württemberg haben zum Jahr 2007 den Modus für ihre Konjunkturumfragen umgestellt. Statt vier Umfragen werden nun nur noch drei Umfragen jährlich durchgeführt.

DOKUMENT-NR. 18724

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