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PRESSE- UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Ganztagsschulen bieten Chancen für besseres Lernen

Ulm, 23. November 2009

Nr. 198

Der Kriminologie Prof. Christian Pfeiffer fordert eine verpflichtende Ganztagesschule für alle Kinder. Bei einer Veranstaltung der IHK Ulm vor mehr als 120 Gästen stellte der renommierte Forscher jetzt seine Studien zu Mediennutzung und Schulerfolg vor.

„Der Wandel der Arbeitswelt, die demografische Entwicklung und die Veränderungen in Familie und Gesellschaft stellen die Schulen heute vor neue Herausforderungen. Auch die Familienstrukturen haben sich verändert. Wir haben einen hohen Anteil an Alleinerziehenden und Eltern, die beide berufstätig sind. Angesichts dieser Veränderungen „müssen wir alles tun, um die Leistungskraft aller optimal auszuschöpfen”, so Pfeiffer. Er forderte mehr Unterstützung der Schulen von Seiten des Staates, denn Schulen seien heute mehr als ein Ort der Wissensvermittlung, auch die emotionale Intelligenz der Kinder müsse gestärkt werden.

Im Podiumsgespräch unter der Moderation von Klaus Jancovius, Studioleiter SWR Fernsehen, unterstrich Staatssekretär Georg Wacker die Bedeutung der Ganztagsschulen. Das Land habe in den letzten Jahren massiv in den Ausbau von Ganztagsschulen und deren personelle Ausstattung investiert, sagte Wacker. Bis zum Jahr 2015 sollen in Baden-Württemberg 40 Prozent aller Schulen zu Ganztagesschulen ausgebaut werden. Bei der Konzeption des Ganztagsprogramms wolle man bewusst die Schulen für die Mitarbeit von außerschulischen Partnern öffnen.

„Es soll sowohl verpflichtende Ganztagsschulen als auch die offene Ganztagesschule geben, die wir entsprechend der Wünsche der Verantwortungsträgern vor Ort entwickeln”, so Staatssekretär Wacker.

Prof. Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts in München, ging es nicht um die Frage von offener oder gebundener Ganztagsschulen. „Wir müssen eine Qualitätsdebatte führen, wenn die Ganztagsschulen gut sind, werden sie von Eltern und Kindern akzeptiert.” Er forderte ein erweitertes Bildungsverständnis: „Ganztagsschule ist nicht die Verlängerung des Unterrichts in den Nachmittag. Wir brauchen weitere Akteure, die Zusammenarbeit der Gesellschaft und der Schule.”

Eltern legten heute besonders Wert auf eine individuelle und gute Förderung ihrer Kinder, sagte Christiane Staab, Vorsitzende des Landeselternbeirats in Baden-Württemberg. Sie wünschte sich mehr Unterstützung vom Land, klare und verbindliche Vorgaben und eine Evaluation vor Ort. „Wir müssen wissen, was das Konzept für gute Ganztagsschulen ist.” Bildung heute brauche andere Strukturen. Das Lehren müsse anders organisiert werden und zusätzliche Inhalte abdecken. Alle Kinder bräuchten ausreichend Zeit für Bildung. Es genüge nicht, eine Betreuungszeit am Nachmittag nur für eine begrenzte Anzahl von Kindern einzurichten.

Roswitha Anderson, Leiterin der SIS Swiss International School in Fellbach, legte anhand praktischer Beispiel aus ihrem Schulalltag dar, was Ganztagsschulen leisten können. Die Akzeptanz der Ganztagsschulen habe auch mit den verschiedenen Traditionen in den einzelnen Ländern zu tun, berichtete die international erfahrene Pädagogin. „Viele Eltern fragen uns: Was können Sie unseren Kindern noch anbieten?”, fasste sie die hohe Akzeptanz der Ganztagsschulen in den angelsächsischen Ländern zusammen.

Die Wirtschaft fordert einen Ausbau der Schulen zu Ganztagsschulen mit einem entsprechenden pädagogischen Konzept. Ganztagsschulen können allen Kindern bessere Bildungschancen bieten und gerade die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund oder von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern deutlich verbessern. „Sie sind ein Schritt zu mehr individueller Förderung”, sagte Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm. „Wir müssen jeden fördern.”

Gerade durch die Einbeziehung außerschulischer Partner, wie in der Region der IHK Ulm durch die Jugendbegleiter aus der Wirtschaft oder die Bildungspartnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen entstehen neue Lernformen und neue Lernbeziehungen. Das kennzeichnet eine moderne Schule, die den Übergang von der Schule in den Beruf leisten muss.

Bildunterschrift:

Bild „Pfeiffer”:

Prof. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts

Bild „Gruppenbild:

(v.l.n.r.) Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer IHK Ulm; Roswitha Anderson, Leiterin der SIS Swiss International School in Fellbach; Prof. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts; Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts e.V., München; Staatssekretär Georg Wacker, MdL; und Klaus Jancovius, Studioleiter SWR Fernsehen

DOKUMENT-NR. 19158

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