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PRESSE- UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2009: Regionale Konjunktur im Sog der Weltwirtschaft

IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz: „Man darf die Situation nicht noch unnötig schlechter reden, als sie ist.”

Ulm, 20. Februar 2009

Nr. 25

Die schwierige Lage der Weltwirtschaft geht an der Wirtschaft der IHK-Region Ulm nicht spurlos vorbei. Die Auftragseingänge sowie die Geschäftserwartungen haben sich spürbar eingetrübt und die Urteile zur aktuellen Geschäftslage wurden zurückgeschraubt. Zuletzt hatten sich zudem die Arbeitsmarkdaten merklich verschlechtert. Dennoch geben auch Unternehmensrückmeldungen Anlass zur Zuversicht.

Das Stimmungsbild der Wirtschaft in der IHK-Region Ulm hat sich gegenüber der IHK-Herbstumfrage 2008 weiter abgeschwächt. Der IHK-Konjunkturklimaindikator , der sich aus einer Kombination der aktuellen Lage und den Geschäftserwartungen ergibt, musste in den letzten vier Monaten einen Rückgang um 34 Punkte verbuchen. Mit 71,3 Zählern verzeichnet dieser Indikator nun einen ähnlichen Stand wie zum Ende des Jahres 2002.

Dabei schlagen zum Jahresbeginn 2009 nun auch die Lageurteile negativ zu Buche. Die Umsatzzahlen haben sich gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum deutlich verschlechtert. In der Folge verzeichnet die aktuelle Geschäftslage mit einem Stand von -3 Prozentpunkten den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Dennoch berichten immer noch 23 Prozent der Unternehmen von gut laufenden Geschäften und weitere 51 Prozent sind weiter mit ihrer Lage zufrieden.

Weit mehr Grund zur Sorge bereiten die vorlaufenden Indikatoren . Die Mehrheit der Unternehmen in der IHK-Region Ulm blickt skeptisch auf die eigenen Perspektiven im gerade begonnen Jahr. Als Ausdruck von übertriebenem Pessimismus sollten diese Daten dennoch nicht gewertet werden. Ausgehend von Rekordumsätzen des vergangenen Booms, ist es nicht überraschend, dass eine rasch wachsende Zahl von Unternehmen – sie ist seit dem Herbst letzten Jahres von 31 auf 57 Prozent gestiegen – im Konjunkturabschwung damit rechnen, dass sich ihre Geschäfte verschlechtern werden. Dabei ist die Hauptursache dieser Entwicklung vor allem das sich im Sog der Weltwirtschaft weiter eintrübende Auslandsgeschäft.

„Die Aussichten sind zweifelsohne nicht erfreulich. Die Situation sollte aber nicht unnötig schlechter geredet werden, als sie ist”, kommentiert IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz die derzeitige Stimmungslage. Seiner Ansicht nach besteht bei dem gegenwärtig immer wieder gestreuten allgemeinen Pessimismus in Form von Negativprognosen, die Gefahr, dass wirklich das Schlimmste eintritt – im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Ähnlich wie mit den Geschäftserwartungen verhält es sich mit den Investitionsplänen. Rund 42 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass die Investitionstätigkeit in den kommenden zwölf Monaten zurück gehen wird. Dem stehen lediglich 9 Prozent mit Steigerungsabsichten gegenüber. Betrachtet man allerdings die Investitionsdynamik in der Vergangenheit, so relativieren sich diese Daten ein Stück weit. Zudem vermelden einige Unternehmen, das sie gezielt in diese schwierige Wirtschaftslage hinein investieren wollen, um als einer der Gewinner aus der Krise hervor zu gehen.

Auch der Beschäftigungsindikator muss deutlich Federn lassen und steht nun bei -32 Prozentpunkten. Der regionale Arbeitsmarkt hat die ersten Auswirkungen dieser Entwicklung bereits zu spüren bekommen. Im Januar 2009 waren gut 1.800 Menschen mehr ohne Arbeit als noch im Dezember 2008. Die Arbeitslosenquote der IHK-Region Ulm stieg dadurch um 0,7 Prozentpunkte auf nunmehr 3,9 Prozent an. Dabei bleibt die hiesige Region aber weiter die IHK-Region mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in Deutschland.

„Die Situation auf dem regionalen Arbeitsmarkt spiegelt die derzeitige Entwicklung. Natürlich ist es sehr bedauerlich, wenn nun vermehrt wieder Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, von welchem Niveau wir kommen. Unsere Region hatte sich hin zur Vollbeschäftigung entwickelt und konnte auch in vielen anderen Feldern Spitzenpositionen verbuchen. Die Ausgangslage ist also für die IHK-Region Ulm im Vergleich extrem günstig”, so Kulitz weiter. Gerade die mittelständischen Familienunternehmen seien für die Krise in vielen Fällen bestens gerüstet.

Weltwirtschaftlicher Abschwung prägt Industrie
Die regionale Industrie bekommt die realwirtschaftlichen Folgen der internationalen Finanzmarktkrise in Form einer globalen Nachfrageschwäche in besonderem Maße zu spüren. Eine stetig steigende Zahl von Unternehmen sieht sich mit sinkenden Auftragseingängen aus dem In- und Ausland konfrontiert. Der abrupte Konjunktureinbruch hat in den letzten Monaten alle Weltwirtschaftsregionen erfasst. Deshalb ist es für die Mehrzahl der regionalen Industriebetriebe kaum noch möglich, Nachfrageausfälle aus einzelnen wichtigen Exportmärkten durch eine Steigerung des Absatzes in anderen Wirtschaftsregionen zu kompensieren. Der Lageindikator rutscht folglich in den negativen Bereich ab (- 16 Prozentpunkte) und die Erwartungen an die weitere Geschäftsentwicklung werden weiter nach unten geschraubt (- 47 Prozentpunkte). Als Reaktion auf diese Eintrübung schränkt die Industrie ihre Produktion ein und reduziert ihre Investitions- sowie ihre Personalpläne.

Der Blick auf die Branchensegmente zeigt, dass nun lediglich noch bei den Investitionsproduzenten die positiven Rückmeldungen zur aktuellen Geschäftslage überwiegen, wenn auch hier die Stimmung deutlich nachgegeben hat. Bei den Geschäftserwartungen gleicht sich das Bild der Investitionsgüterindustrie allerdings dem der Vorleistungs- sowie Ge- und Verbrauchgüterproduzenten an. Die Auftragseingänge verzeichnen durchweg einen markanten Rückgang und die Umsatzerwartungen werden spürbar gesenkt. Dabei ist jedoch zu beachten, auf welch hohes Niveau sich diese Korrekturen beziehen.

Handel: Kaufzurückhaltung hält an
Im Einzelhandel drückt die anhaltende Konsumflaute weiter auf die Stimmung. Immerhin haben sich aber das Kaufverhalten und der Umsatz in den vergangenen vier Monaten nicht weiter ins Negative entwickelt. In der Folge werden die Werte zur aktuellen Geschäftslage auch weniger nach unten revidiert als in der Gesamtwirtschaft.

Auch im Großhandel hat sich die Stimmung weniger stark verschlechtert. Dies ist auf den konsumnahen Großhandel zurückzuführen, der entgegen dem allgemeinen Trend sogar eine Verbesserung der Lageurteile aufweisen kann. Der produktionsverbindende Großhandel verzeichnet hingegen einen markanten Stimmungsrückgang. Letztendlich überwiegen aber sowohl beim konsumnahen als auch beim produktionsverbindenden Großhandel weiter die positiven Stimmen.

Vom gerade begonnenen Jahr versprechen sich die meisten Einzel- und Großhändler nicht viel Gutes. In beiden Bereichen wird damit gerechnet, dass sich im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Abkühlung die Kaufzurückhaltung ihrer Kundschaft weiter verstärken wird. Auch aus dem Ausland dürften kaum Impulse kommen. Eine steigende Zahl von Großhändlern sieht sich daher gezwungen, ihre Investitions- und Beschäftigungspläne zu beschränken. Auch im Einzelhandel stehen die Zeichen auf Personalabbau.

Höhenflug der Dienstleister neigt sich dem Ende
Bei den Dienstleistungsunternehmen wird ebenfalls eine zunehmende Zahl vom konjunkturellen Abschwung erfasst. Die Zufriedenheit mit der aktuellen Geschäftssituation gibt spürbar nach, zu Beginn des Jahres 2009 überwiegen aber weiterhin die positiven Lageurteile. Allerdings bekommen auch die Dienstleister den weltwirtschaftlichen Gegenwind in Form schrumpfender Auftragsvolumina zu spüren. Fielen im Herbst letzten Jahres die Geschäftserwartungen nur leicht negativ aus, ist das Bild nun einer ausgeprägten Skepsis gewichen und sowohl die Investitions- als auch die Beschäftigungspläne sind von wachsender Vorsicht geprägt.

Das aufgezeigte Bild zieht sich - gerade was die Geschäftserwartungen betrifft – durch alle Servicesparten, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Markante Auftragseinbrüche drehen bei den unternehmensnahen Dienstleistungsunternehmen den Lageindikator in den negativen Bereich. Und auch die laufenden Geschäfte des Verkehrsgewerbes stellen sich aufgrund dieser Tendenz im Minusbereich ein. Zudem verschärft die Mauterhöhung die Situation.

Im Kreditgewerbe bleiben die Lageurteile stabil. Hier stehen sich positive und negative Geschäftsurteile neutral gegenüber. Das Hotel- und Gaststättengewerbe verzeichnet zwar rückläufige Umsätze im Beherbergungs- und Restaurationsbereich, diese fallen allerdings weniger drastisch aus. Letztlich stellt sich in dieser Servicesparte die Lage gegenwärtig am günstigsten dar und verzeichnet weiter ein stabiles Plus.

Grafiken
IHK-Konjunkturklimaindex
Gesamtwirtschaft: Geschäftslage und Erwartungen
Industrie: Geschäftslage und Erwartungen
Industrie: Auftragseingänge aus dem In- und Ausland
Großhandel: Geschäftslage und Erwartungen
Einzelhandel: Geschäftslage und Erwartungen
Dienstleistungen: Geschäftslage und Erwartungen
Statistischer Anhang

Der IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung.

IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.

Zum Ausweis der Arbeitslosenquote wird im Konjunkturbericht der IHK Ulm auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die zugrunde liegende Berechnungsmethodik beruht auf dem Verhältnis der Arbeitslosen zu allen zivilen Erwerbspersonen.

Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint tertialweise. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zum 3. Tertial 2008. Von über 25.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 526 Unternehmen befragt, von denen sich 286 (54,4 Prozent) an der Umfrage beteiligten.

Anmerkung:
Die IHKs in Baden-Württemberg haben zum Jahr 2007 den Modus für ihre Konjunkturumfragen umgestellt. Statt vier Umfragen werden nun nur noch drei Umfragen durchgeführt.

DOKUMENT-NR. 16545

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