- In der IHK-Region Ulm werden bis 2020 über 60.000
Experten gesucht
- IHK Ulm will mit Fonds von 1 Million Euro Studienplätze
schaffen
Ulm, 16. Januar 2009
Nr. 7
Bis zum Jahr 2020 erwächst in der IHK-Region Ulm ein Mangel von
mehr als 60.000 Fachkräften. Das ist das Ergebnis einer aktuellen
Untersuchung des Lehrstuhls von Prof. Bert Rürup an der Universität
Darmstadt. Die Studie, die von zwölf Industrie- und Handelskammern
in Baden-Württemberg in Auftrag gegeben wurde, beinhaltet neben den
Werten für das Land insbesondere regionale Ergebnisse.
Demnach werden in der IHK-Region Ulm bis zum Jahr 2020 rund
10.000 akademische und gut 50.000 nicht-akademische Fachkräfte
gebraucht, stehen der Wirtschaft aber nicht zur Verfügung. Ursachen
sind das altersbedingte Ausscheiden einer Vielzahl an Fachkräften
bis zum Jahr 2020, aber auch Strukturwandel, Wachstum und
Konjunktur.
Die IHK plädiert deshalb dafür, das Thema Fachkräftemangel trotz
der derzeit schwierigen Wirtschaftslage nicht aus den Augen zu
verlieren. Das Gegenteil sei geboten. Denn die Fachkräfte
heranzubilden brauche Zeit.
„Wir können unsere Unternehmen nur ermutigen, weiter in die Aus-
und Weiterbildung zu investieren. Die Betriebe sind gut beraten,
wenn sie auch in dieser akuten Schwächephase ihre Fachkräfte
halten. Entlassungen mögen vielleicht kurzfristig den finanziellen
Spielraum verbessern, auf längere Sicht ist dies aber die falsche
Strategie. Denn der nächste Aufschwung kommt bestimmt, und dann
wird es sehr schwer werden, die nötigen Fachkräfte zu finden”, so
IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz.
Setzt man den Fachkräftemangel in Relation zum
Fachkräfteangebot, ist für die IHK-Region Ulm im landesweiten
Vergleich eine überdurchschnittliche Fachkräfteproblematik
ablesbar. Dabei liegt die regionale Angebotslücke bei den
Akademikern mit fast neun Prozent deutlich über dem Wert bei den
nicht-akademischen Fachkräften von gut zwei Prozent. „Es ist zu
erwarten, dass sich die Tendenz zur Akademisierung weiter
fortsetzen wird”, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle
das Ergebnis. Bereits im Zeitraum von 2000 bis 2007 sei die Zahl
der beschäftigten Akademiker in der Region um 21 Prozent auf etwa
9.100 angestiegen und somit deutlich stärker als im Bereich der
nicht-akademischen Berufe. Hier waren zuletzt knapp 173.000
Fachkräfte beschäftigt. Gegenüber dem Jahr 2000 bedeutet dies einen
Anstieg um sechs Prozent.
Sowohl bei den akademischen als auch bei den nicht-akademischen
Berufen ist der Fachkräftemangel bei den technischen Berufen
besonders ausgeprägt. So fehlen bis zum Jahr 2020 insgesamt rund
7.600 Ingenieure.
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wird die IHK Ulm
aktiv. So stellt die IHK Ulm mit dem Fonds zur Vernetzung von
Wirtschaft und Wissenschaft den Hochschulen der Region
1.000.000 Euro auch mit dem Ziel zur Verfügung, zusätzliche
Studienplätze zu schaffen, die der mittelständisch geprägten
Wirtschaft der Region nützen.
Die IHK fordert angesichts der Ergebnisse von der Kommunal-,
Landes- und Bundespolitik Maßnahmen zur Hebung des vorhandenen
Fachkräftepotentials bei Frauen, Studienabbrechern und Zuwanderern
sowie zur Verbesserung der Bildungsbeteiligung aller
Bevölkerungsschichten und Altersklassen.
Insbesondere bei der Steigerung des Fachkräftepotenzials von
Frauen sieht die IHK einen wirksamen Ansatzpunkt zur Abmilderung
der Fachkräfteproblematik. Der Anteil der Frauen mit rund
33 Prozent bei den nichtakademischen und rund 21 Prozent
bei den akademischen Fachkräften in der IHK-Region sei eindeutig zu
gering. „Es kann nicht sein, dass die Wettbewerbsfähigkeit unserer
Region am unzureichenden Betreuungsangebot der Kindertagesstätten
scheitert”, so IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle.
Die IHK fordert daher weiter einen raschen Ausbau der
Kinderbetreuungsangebote, um endlich eine vernünftige Vereinbarkeit
von Familie und Beruf zu gewährleisten.
Die IHK Ulm bietet in der linken Download-Spalte den Zugang
zu einer am Rürup-Lehrstuhl entwickelten Internetplattform an, die
für die Berufswahl von jungen Menschen, für die Personalplanung von
Unternehmen, für Bildungseinrichtungen und für die Politik
geeignete Trendinformationen zum Fachkräftebedarf bis 2020 gibt.
Insgesamt sind die Entwicklungstrends für 50 Berufe und 14
Wirtschaftszweige in den zwölf baden-württembergischen Regionen
abrufbar.