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Ulm, 29. Mai 2009
Nr. 91
Die Situation der regionalen Wirtschaft bleibt angespannt. Was sich seit Herbst in immer schlechter gefüllten Auftragsbüchern angekündigt hat, bekommen die Unternehmen nun in Form deutlicher Umsatzrückgänge zu spüren. Die Geschäftslage fällt dadurch auf den niedrigsten Stand seit langem. Doch es gibt auch erste Hoffnungsschimmer: Nach Monaten des Verfalls hellen sich einige vorlaufende Indikatoren erstmals wieder etwas auf.
Die regionale Wirtschaft ist aufgrund ihrer hohen Exportquote und ihrer überdurchschnittlichen Prägung durch die Industrie im besonderen Maße von der globalen Wirtschaftskrise betroffen. 66 Prozent der Unternehmen berichten gegenwärtig von rückläufigen Umsatzzahlen. Was sich seit Herbst in immer schlechter gefüllten Auftragsbüchern angekündigt hat, führte somit in den vergangenen vier Monaten zu Umsatzeinbrüchen einer bis dato noch nie gemessenen Intensität. In der Folge beurteilen die Unternehmen ihre Lage so schlecht wie seit langem nicht mehr. Gegenüber der Umfrage zum Jahreswechsel verliert der Indikator für die aktuelle Geschäftslage weitere 15 Prozentpunkte und steht nun bei -18 Zählern.
Die akute Nachfrageschwäche aus dem In- und Ausland hält zudem auch im Frühsommer 2009 weiter an. Nach wie vor beklagen eine große Zahl der Unternehmen (49 Prozent) anhaltende Auftragsrückgänge. Gegenüber der Umfrage zum Jahreswechsel ist deren Anteil allerdings um 22 Prozentpunkte zurückgegangen. Und auch die Geschäftserwartungen zeigen in diese Richtung. Mit einem Stand von nunmehr -46 Punkten notiert der Indikator für die Geschäftsaussichten zwar weiter auf niedrigem Niveau, nach Monaten des Verfalls konnte der Abwärtstrend aber endlich gestoppt und sogar leicht umgekehrt werden.
Diese Entwicklung bei den vorlaufenden Indikatoren kann durchaus als erster Hoffnungsschimmer im düsteren Konjunkturumfeld gewertet werden. Zumindest scheint der Höhepunkt der Abwärtsdynamik in den ersten Monaten dieses Jahres bereits durchschritten worden zu sein.
An den Personalplänen der Unternehmen lässt sich ebenfalls ein solches Bild ablesen. Die Zahl der Betriebe mit zusätzlichem Personalbedarf bleibt zwar mit 4 Prozent niedrig und nach wie vor möchte rund ein Drittel die Belegschaft reduzieren. Letztlich hat sich die Tendenz zum Stellenabbau aber wenigstens nicht weiter erhöht.
Der negative Saldo bei den Beschäftigungsplänen wirkt sich natürlich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosigkeit ist in den vergangenen vier Monaten kontinuierlich gestiegen. Im April 2009 waren in der IHK-Region Ulm 1.189 Menschen mehr ohne Arbeit als noch im Januar. Gegenüber April 2008 nahm die Arbeitslosigkeit um 3.596 Personen zu. Die Arbeitslosenquote hat sich dadurch auf 4,4 Prozent erhöht.
Auch das Thema Kurzarbeit spielt in der Region eine bedeutsame Rolle. Rund 25 Prozent der regionalen Unternehmen setzen bereits Kurzarbeit ein. Weitere 16 Prozent planen diese. Dabei kommt der Kurzarbeit in größeren Firmen eine höhere Bedeutung zu. Erfreulich ist, dass 46 Prozent der Betriebe ihre Mitarbeiter in der Kurzarbeit bereits qualifizieren oder entsprechende Maßnahmen planen.
„Die Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld waren ein sehr wichtiger Schritt, der sich bewährt hat. Ohne das Instrument der Kurzarbeit hätte sich die Situation auf dem regionalen Arbeitsmarkt deutlich stärker verschärft. Insofern ist die nun verabschiedete Freistellung des Arbeitgebers von den Sozialbeiträgen nach sechs Monaten Kurzarbeit genau die richtige Entscheidung. Auf diesem Weg können gerade in besonders stark betroffenen Branchen über die Krise hinweg Mitarbeiter gehalten werden”, so IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz.
Die Zahl der Unternehmen, die ihre Investitionen zurückfahren wollen, ist weiter gestiegen und liegt jetzt bei 47 Prozent (Umfrage zum Jahreswechsel: 42 Prozent). Allerdings hat auch hier die Abwärtsdynamik im Vergleich zu den vergangenen Monaten spürbar an Fahrt verloren. Investiert wird in der regionalen Wirtschaft vor allem dann, wenn Ersatzbedarf besteht. Investitionen zur Kapazitätserweiterung oder zum Umweltschutz sind auf dem Rückzug.
Weltwirtschaftskrise setzt Industrie weiter
zu
Die exportorientierte
Industrie
leidet immer noch in besonderem Maß unter dem
gegenwärtig schwierigen Wirtschaftsumfeld. Seit Beginn der Krise
sind nach und nach die Absatzmöglichkeiten in fast alle
Weltregionen eingebrochen und die anhaltend schwache Nachfrage
veranlasst die Industrie zu immer stärkeren
Produktionsdrosselungen. Die Kapazitätsauslastung ist mit 68
Prozent daher auf ein Rekordtief gesunken und die industriellen
Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage so ungünstig wie
noch nie (- 34 Punkte). Positiv ist hervorzuheben, dass gerade in
der Industrie versucht wird, mit Hilfe der Kurzarbeit die
qualifizierte Kernbelegschaft so gut es geht zu halten. Zudem
dürfte sich auch in der regionalen Industrie der konjunkturelle
Abwärtstrend in den kommenden Monaten spürbar verringern. Zwar
gehen immer noch 51 Prozent von weiterhin anhaltendem
Auftragsrückgang
aus, deren Zahl hat sich seit Jahresbeginn
allerdings um 17 Prozentpunkte reduziert. Zudem hellen sich die
Beschäftigungspläne wieder leicht auf, wenngleich auf der
Gegenseite die Investitionsbereitschaft – ohnehin schon auf
niedrigem Niveau – erneut etwas zurück gefahren wird.
Betrachtet man die einzelnen Branchensegmente, so hat sich für alle Bereiche die Geschäftslage eingetrübt. Insbesondere in der Investitionsgüterindustrie laufen die Geschäfte noch einmal spürbar schlechter als zu Jahresbeginn. Bei den Geschäftaussichten sind es hingegen die Gebrauchs- und Verbrauchsgüterproduzenten, die ihre Erwartungen weiter deutlich nach unten schrauben.
Einzelhandel steht derzeit noch am besten
da
Auch der
Einzelhandel
musste in den ersten Monaten des Jahres 2009
Einbußen verkraften, er schlägt sich aber dank eines relativ
konstanten privaten Konsums immer noch recht ordentlich. Erstmals
seit langer Zeit vermelden die Einzelhändler damit eine bessere
Lage als die Großhändler.
Aufgrund der steigenden Zahl an Arbeitslosen und Kurzarbeitern ist die Gefahr aber groß, dass der Einzelhandel die Folgen der Krise erst mit gewisser zeitlicher Verzögerung spüren wird. Vor diesem Hintergrund werden die Geschäftserwartungen in diesem Bereich auch weiter revidiert. Der Investitions- und der Beschäftigungsindikator verharren nach wie vor im negativen Bereich.
Der regionale Großhandel ist bereits kräftig in den Sog des Abwärtsstrudels der Weltrezession geraten und setzt seine im letzten Herbst begonnene Talfahrt ungebremst fort. Vor allem die industrienahen Großhändler können sich als Mittler zwischen Produktion und Nachfrage im In- und Ausland nicht von deren Geschäftsentwicklung abkoppeln. Die weiteren Geschäftsaussichten werden vom Großhandel ebenfalls skeptisch gesehen und das Investitions- sowie Beschäftigungsklima bleibt eingetrübt.
Krise kommt endgültig bei den Dienstleistern
an
Der gesamtwirtschaftliche Abschwung ist nun endgültig auch im
Dienstleistungssektor angekommen. Im Zuge der Wirtschaftskrise ist
die Nachfrage nach
Dienstleistungen
merklich gesunken. In der Folge melden die
Serviceunternehmen erstmals seit sechs Jahren wieder per Saldo eine
negative Geschäftslage. Zudem gehen derzeit auch die meisten
Dienstleister davon aus, dass sich der Auftragsschwund in den
kommenden Monaten fortsetzen wird. Die Investitions- und
Beschäftigungspläne werden von einer steigenden Zahl von Betrieben
zurückgefahren.
Das aufgezeigte Bild zieht sich durch fast alle Servicesparten. Lediglich das Kreditgewerbe verzeichnet eine etwas bessere Lage als noch zu Jahresbeginn. Insbesondere die Ertragslage bei den Zinsgeschäften hat hier wieder angezogen. Die Einlagen sind hingegen stark gesunken und das Provisionsgeschäft läuft schleppend, so dass sich die Lage im Kreditgewerbe nur bedingt entspannt.
Bei den unternehmensnahen Dienstleistern drücken kräftige Umsatzeinbußen auf die Stimmung und das Verkehrsgewerbe muss einen weiteren Auslastungsrückgang der Fracht- und Beförderungskapazitäten verkraften. Als Transporteur von Waren im Auftrag Anderer bekommt diese Servicesparte ein Nachlassen der wirtschaftlichen Aktivität unmittelbar zu spüren.
Die größte Veränderung in der Lagebeurteilung ist beim Hotel- und Gaststättengewerbe festzumachen. Sowohl im Restaurations- als auch im Beherbergungsbereich geht der Umsatz deutlich zurück.
Grafiken
Gesamtwirtschaft: Geschäftslage und Erwartungen
Industrie: Geschäftslage und Erwartungen
Industrie: Auftragseingänge aus dem In- und Ausland
Großhandel: Geschäftslage und Erwartungen
Einzelhandel: Geschäftslage und Erwartungen
Dienstleistungen: Geschäftslage und Erwartungen
Der IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung.
IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.
Zum Ausweis der Arbeitslosenquote wird im Konjunkturbericht der IHK Ulm auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die zugrunde liegende Berechnungsmethodik beruht auf dem Verhältnis der Arbeitslosen zu allen zivilen Erwerbspersonen.
Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint tertialweise. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zum 1. Tertial 2009. Von über 26.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 523 Unternehmen befragt, von denen sich 283 (54,1 Prozent) an der Umfrage beteiligten.
Anmerkung:
Die IHKs in Baden-Württemberg haben zum Jahr 2007 den Modus für
ihre Konjunkturumfragen umgestellt. Statt vier Umfragen werden nun
nur noch drei Umfragen jährlich durchgeführt.
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