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Feierstunde-Berufsbildung-2005-Rede-Seifert
Rede Feierstunde 14. November 2005, 19:30 Uhr "Bildung in unserer Region" Vizepräsident Harald Seifert Stadthalle, Biberach
- es gilt das gesprochene Wort -
Meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr verehrte Festgäste,
ich freue mich sehr, allen erfolgreichen Absolventen unserer Berufsausbildung nochmals ganz herzlich zum erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung gratulieren zu dürfen. Ein solcher Tag ist Anlass zur Freude für alle Beteiligten: Für Sie als erfolgreiche Absolventen, für Ihre Eltern, für Ihre Ausbilder und für Ihre Betriebe. Gleichzeitig gilt es Dank zu sagen: den vielen engagierten Ausbildern, den Lehrkräften an den Berufsschulen und nicht zuletzt den 1.700 ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfern aus Unternehmen und Berufsschulen, denen ich für ihr Engagement ausdrücklich danke.
Dieses Jahr war ein Rekordjahr für die Duale Ausbildung in unserer Region. Herr Sälzle hat es schon angesprochen. Der Ausbildungspakt wirkt und ist ein Erfolg.
In unserer Region steigt die Zahl der neuen Ausbildungsverträge. Das zeigt eindrucksvoll die Darstellung auf dieser Folie.
Die IHK-zugehörigen Unternehmen haben in diesem Jahr die höchste Zahl an Auszubildenden seit 15 Jahren eingestellt. In unserer Region ist das Jahr 2005 das Rekordjahr an Ausbildungsplätzen. Die Unternehmen unserer Region zeigen eine beeindruckende Ausbildungsbereitschaft. Ich möchte Ihnen dafür ganz herzlich danken!
In Baden-Württemberg haben wir gemeinsam mit der IHK Karlsruhe die höchste Zuwachsrate an Ausbildungsplätzen erreicht, obwohl unsere Region bereits die ausbildungsstärkste in Baden-Württemberg ist. Vor diesem Hintergrund muss man den Zuwachs in unserer Region von 5,0 Prozent im letzten Jahr und 5,9 Prozent in diesem Jahr, zusammen fast 11 Prozent, um so höher bewerten.
Angesichts dieser sehr positiven Zahlen haben wir auch das Recht, auf Fehlentwicklungen an anderer Stelle hinzuweisen. Wenn rund 9 Prozent Jugendliche in Baden-Württemberg jährlich die Haupt- und Realschulen ohne Hauptschulabschluss verlassen und wenn eine weitere große Anzahl in den Kernfächern Rechnen und Deutsch nur mangelhafte Leistungen aufweist, dann liegt hier ein schwerwiegendes Ausbildungshindernis vor und das ist eine Schande.
Ein anderes schwerwiegendes Ausbildungshindernis ist die Auflösung von Ausbildungsverhältnissen. Jedes Jahr gehen durch Lösungen in Baden-Württemberg 15,1 Prozent der Ausbildungsverhältnisse bei IHK-zugehörigen Unternehmen verloren. Sie können in der Regel in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit nicht neu besetzt werden. Ein Hauptgrund dieser Auflösungen ist eine falsche Berufswahl! Wenn es gelingen würde, diese Zahl zu reduzieren, hätten Schulabgänger mehr Ausbildungschancen und Wahlmöglichkeiten. Im Vergleich zum Land sind wir auch hier deutlich besser. Dennoch legen wir in unserer Arbeit als IHK einen weiteren wichtigen Schwerpunkt darauf, die Angebote zur Berufsorientierung zu verbessern.
So veranstalten wir zusammen mit der Stadt Ulm im Februar 2006 die dritte große Ulmer Bildungsmesse. Über 190 Aussteller - Ausbildungsunternehmen, Schulen und Hochschulen - präsentieren mehr als 200 Ausbildungsberufe, schulische Ausbildungen und Studiengänge. Schüler, Eltern und Lehrer können sich im direkten Kontakt mit Personalverantwortlichen, mit Ausbildern und Professoren, aber auch mit Auszubildenden und Studenten über Berufe, Ausbildungen und Studiengänge austauschen. Das ist das Besondere an der Ulmer Bildungsmesse, denn sie ist vor allem auf die frühzeitige Berufsorientierung zugeschnitten. Daneben unterstützen wir regionale Ausbildungsmessen, wie die "Futur 4 you" in Biberach, die vom Rotary Club "Weißer Turm" und den Biberacher Ausbildungsunternehmen organisiert wird.
Die frühzeitige, realistische und informierte Berufsorientierung ist der erste entscheidende Schritt, um eine Ausbildung erfolgreich zu meistern. Die Schulen stehen heute in der Verantwortung, nicht nur Abschlüsse, sondern auch Anschlüsse zu schaffen. Damit bereiten sich die Schüler für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben vor.
Vor allem sind aber die Eltern die wichtigsten Partner ihrer Kinder bei der Berufswahl. Deswegen veranstalten wir seitens der IHK Ulm Elternabende zu diesem Thema und informieren über neue Berufe, deren Voraussetzungen und darüber, welche Kompetenzen dort verlangt werden. Die Eltern erfahren auch welche Möglichkeiten sie haben, ihre Kinder bei der Berufsorientierung zu unterstützen.
Im Internet unterhalten wir den Markt der Ausbildung, in dem Ausbildungsunternehmen ihre freien Ausbildungsplätze anbieten. Ab Februar werden wir einen Ausbildungsatlas ins Internet stellen, der zu allen IHK-Ausbildungsberufen informiert und konkret darstellt, welche Anforderungen bestehen und welche Ausbildungsbetriebe in unserer Region diese Berufe ausbilden. Die Unterstützung der Berufsorientierung der Schüler ist uns ein ganz wichtiges Anliegen und ein Schwerpunkt der Bildungsarbeit unserer IHK.
Jugendliche brauchen Vorbilder und müssen lernen, sich in Arbeitsprozesse eingliedern zu können. Nur dann werden berufliche Anforderungen konkret vorstellbar. Im nächsten Jahr wollen wir unsere Arbeit vor allem auf Kooperationen und Lernpartnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen ausrichten. Wirtschaft ist ein spannendes Thema und wer Spaß an der eigenen Leistungsfähigkeit hat, hat in den Unternehmen Entwicklungschancen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Arbeit der IHK auf dem Gebiet der Bildung ist in den letzten zehn Jahren immer umfangreicher geworden. Dem entspricht, dass eine der Hauptveranstaltungen zum 150-jährigen Bestehen der IHK Ulm dem Thema Bildung gewidmet war. Professor Dr. Bullinger, Präsident der Frauenhofer Gesellschaft leitete mit seinem Vortrag "Herausforderungen der Zukunft - Konsequenzen für die Qualifizierung" eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion ein. Hier wurde klar, dass wir uns in einer globalisierten Welt auf überdurchschnittliche Produktivität und Innovationen konzentrieren müssen, wenn wir unseren Lebensstandard und unsere Löhne halten wollen. Arbeiten, die in anderen Ländern preiswerter durchgeführt werden, wandern dort hin. Dazu zwingt der Markt die Unternehmen. Das ist keineswegs Anlass, den Mut zu verlieren. In der Vergangenheit ist es in Deutschland immer gelungen, fortschrittliche Technologien zu entwickeln und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wo wir aber wieder an die Spitze kommen müssen, ist in der Lust auf Leistung und Innovationen.
Eben so sehr wie die Duale Ausbildung steht deshalb die Entwicklung der beruflichen Weiterbildungsmöglichkeiten in unserer Region im Blickpunkt der Wirtschaft. Das Bildungszentrum der IHK wird jährlich von rund 5.000 Teilnehmern besucht. Bemerkenswert ist übrigens, dass bei über 60 Prozent der Teilnehmer die Kosten von den Unternehmen übernommen werden. Wobei dies vor allem auf Seminare und kurze Lehrgänge zutrifft, während die auf die Ausbildung aufbauenden langfristigen Lehrgänge zum Fachkaufmann, Fachwirt, Industriemeister oder Betriebswirt - IHK meistens von den Teilnehmern bezahlt werden, die in ihre berufliche Zukunft investieren wollen. Das zeigt viel Zielstrebigkeit und Engagement. Wer mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung vorankommen will, für den sind IHK-Aufstiegsqualifikationen eine echte Perspektive.
Eine Hauptaufgabe der IHK-Organisation im Weiterbildungsbereich ist es, direkt auf das Wissen der Ausbildung aufbauende Fortbildungen zu entwickeln und sie in ganz Deutschland zu etablieren. Mittlerweile bietet das IHK-Fortbildungssystem eine ungeheuer große Vielfalt von Karrierechancen. Für die meisten Unternehmensfunktionen oder Branchen bieten die IHKs solche Fortbildungen und Prüfungen an und dies berufsbegleitend und in erreichbarer Nähe.
Tatsächlich lässt sich auf dem Gebiet der beruflichen Bildung in Deutschland immer noch einiges bewegen. Wir haben uns seit Jahren dafür eingesetzt, dass die Teilnehmer berufsbegleitenden Lernens im Vergleich zu Studenten oder Schülern adäquat gefördert werden. Das ist mit dem so genannten "Meister-BaföG" dann auch umgesetzt worden. Vom Staat werden jetzt immerhin 35 Prozent der Lehrgangs- und Prüfungskosten in der Aufstiegsfortbildung übernommen.
Ein weiteres Gebiet, um das wir seit Jahren kämpfen, ist der Hochschulzugang von Absolventen von IHK-Fortbildungsprüfungen. Es ist nicht einzusehen, warum ein Industriefachwirt oder ein Betriebswirt mit IHK-Prüfung ein Abitur nachholen muss, um Betriebswirtschaft zu studieren oder warum ein Industriemeister das Abitur benötigt, um ein Ingenieurstudium zu beginnen. Andere Bundesländer sind hier bereits weiter. Jetzt zeigt sich auch in Baden-Württemberg in dieser Frage Bewegung, was uns wirklich freut.
Was wir derzeit im Bereich der beruflichen Bildung vorantreiben, ist der Ausbau der Region als Logistikstandort mit entsprechenden Fortbildungsangeboten, ein neues bundeseinheitliches Fortbildungssystem im Bereich der Informationstechnologie, an dessen Entwicklung wir uns mit hiesigen Firmen beteiligt haben, und der weitere Ausbau der IHK-Online-Akademie, um diese neue Lernform für die Region zur Verfügung zu stellen.
Berufsbegleitende Fortbildung verlangt von ihren Teilnehmern viel. Neben der Berufstätigkeit abends und an Wochenenden konsequent über Jahre hinweg eine Weiterbildung zu betreiben ist anstrengend. Es ist aber auch besonders effizient, weil die Teilnehmer aus ihrem Berufsleben wissen, um was es geht und für welche Probleme sie in ihrem Arbeitsalltag effiziente Lösungen finden müssen. Allerdings muss bei berufsbegleitendem Lernen neben den Anforderungen des Berufs und der Familie eine Menge von Lernstoff erarbeitet werden. Wer dies erfolgreich durchzieht, hat seine Leistungsbereitschaft und sein Durchhaltevermögen unter Beweis gestellt! Solche Mitarbeiter wünschen sich die Unternehmen.
Der zweite Höhepunkt dieser Feierstunde ist es, die besten Prüfungsabsolventen der IHK-Fortbildungsprüfungen auszuzeichnen.
Es freut mich sehr, wenn ich heute mit Herrn Sälzle 7 Preisträger und 14 Prüfungsbeste von 768 Prüfungsabsolventen der IHK-Fortbildung gratulieren kann. Wir möchten Ihnen einen Preis und vor allem unsere Anerkennung für Ihre hervorragenden Leistungen übermitteln. Frau Gebhardt, eine Auszubildende der IHK, wird die Preisträger und Prüfungsbesten aufrufen. Bitte kommen Sie zu uns und bleiben Sie bei uns auf der Bühne, damit wir anschließend noch ein Gruppenfoto machen können.
Zum Abschluss der Feierstunde möchte ich allen Beteiligten für ihre Mitwirkung danken, vor allem aber den Mitgliedern der Gruppe Sisters in Act für ihre gelungene Revue aus der Musikgeschichte von 40 Jahren.
Ich möchte Sie alle dazu einladen, im Foyer ein Glas Sekt mit uns zu trinken, miteinander ins Gespräch zu kommen und diesen Tag noch etwas zu feiern.
