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AUS- UND WEITERBILDUNG

Bundesweit erster Bildungsreport

  • IHK Ulm legt umfassende Analyse vor
  • Ein Viertel aller Kinder sind bei der Einschulung sprachauffällig
  • IHK fordert 2-jährige Vorschule

Zentrales Thema des ersten regionalen Bildungsreports ist die frühkindliche Bildung. Denn die ersten Lebensjahre eines Kindes sind entscheidend für den weiteren Bildungs- und Lebensweg. Dabei bringt die Analyse der IHK Ulm aufrüttelnde Ergebnisse zutage: An die 25 Prozent der Kinder haben bei der Einschulung Probleme mit der Sprache. Die IHK fordert deshalb die Einführung einer verpflichtenden zweijährigen Vorschule als wirkungsvolle Maßnahme zur Integration. Die bisherigen Sprachprogramme des Landes reichen noch nicht aus.

„Die Bildung entscheidet über die Zukunftsfähigkeit unserer Region”, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. Deshalb hat die IHK Ulm erstmals die regionale Bildungssituation analysiert. Sie hat hierzu Daten über alle Bildungsstufen hinweg ausgewertet. Der bundesweit erste regionale Bildungsreport stellt die Ergebnisse vor.

Das wichtigste Ergebnis der Analyse ist, dass ein Viertel der vor der Einschulung stehenden Kinder im Alb-Donau-Kreis und in Ulm sprachauffällig sind und einer Förderung bedürfen. Im Landkreis Biberach beläuft sich der Anteil auf rund 20 Prozent. Kinder mit Deutsch als Zweitsprache schneiden dabei noch deutlich schlechter ab. Weit über die Hälfte der nicht deutschsprachigen Vorschulkinder weisen im Alb-Donau-Kreis und in Ulm Sprachprobleme auf.

„Das sind erschreckend hohe Quoten, die wir so nicht akzeptieren können”, äußert IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. „Wenn die Kinder in der Schule mitkommen sollen, müssen sie bereits vor der Einschulung fließend Deutsch verstehen und sprechen können”, so Sälzle. „Um dies zu gewährleisten, fordern wir die Einführung einer 2-jährigen Vorschule, die für die Kinder Pflicht ist.” Dort könne die Sprachfähigkeit und die Integration der Kinder intensiv gefördert werden, so dass alle Schulkinder die Sprache einwandfrei beherrschen.

Die Sprachprobleme überschatten das gesamte Leben der Kinder. Sie spiegeln sich in der Schulwahl, in den Schulabschlüssen sowie in der Wahl einer Ausbildungsstelle wider. Gerade die Kinder mit Migrationshintergrund haben größte Probleme in unserem Bildungssystem. Dies wird auch bei der Analyse der Übergänge von Grundschulen auf weiterführende Schulen sowie bei den Anteilen ausländischer Schüler an Haupt- und Förderschulen deutlich. Die häufigste Schulart für Ausländer ist die Hauptschule. In der Stadt Ulm stammen fast 43 Prozent der Hauptschüler aus Familien mit Migrationshintergrund, während der Anteil ausländischer Schüler an Grundschulen nur 21 Prozent beträgt. Im Alb-Donau-Kreis sind fast 21 Prozent der Hauptschüler Ausländer (Anteil an Grundschülern 9 Prozent), im Landkreis Biberach immerhin knapp unter 10 Prozent (Anteil an Grundschülern 5 Prozent). 16 Prozent der ausländischen Schüler verlassen in Baden-Württemberg die Schule ohne Abschluss und nur 4 Prozent erreichen die Hochschulreife.

Sprachliche Förderprogramme für deutsche und ausländische Kinder zeigen deutliche Wirkungen. Im Landkreis Biberach hat sich der Anteil der sprachauffälligen Kinder innerhalb von drei Jahren von fast 22 Prozent auf 19 Prozent reduziert. Doch das notwendige Geld zur flächendeckenden Einführung der Sprachförderung steht nicht zur Verfügung. Die Landesstiftung wird die benötigten 14 Millionen Euro nicht leisten können. Die IHK Ulm fordert dennoch die Umsetzung flächendeckender Fördermaßnahmen im Kindergarten. „Diese Mittel müssen bereit gestellt werden. Das ist optimal investiertes Geld. Wenn hier rechtzeitig in die Zukunft dieser Kinder investiert wird, spart sich unsere Gesellschaft viele Ausgaben aus dem Sozialetat in späteren Lebensjahren der Kinder”, unterstreicht Hauptgeschäftsführer Sälzle die dringendste Forderung der regionalen Wirtschaft.

Stand: September 2008

DOKUMENT-NR. 16363

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