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BILDUNGSREPORT

Ungenutztes Potential bei Migranten und Jungen

Ungenutztes Potential bei Migranten und Jungen

„Junge Menschen mit Migrationshintergrund sind ein großes Potential für den Arbeitsmarkt. Ihre Bedeutung wächst gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle, „Leider gelingt die Integration dieser Kinder und Jugendlichen in unser Schulsystem nur unzureichend.“

Hauptschulabschluss dominiert bei Ausländern

Dies sei daran erkennbar, dass fast 17 Prozent der ausländischen Schülerinnen und Schüler in der IHK-Region Ulm die Schule ohne Abschluss verließen. 53 Prozent der ausländischen Schülerinnen und Schüler in der IHK-Region Ulm erreichten immerhin den Hauptschulabschluss (Deutsche: 28 Prozent). Den Realschulabschluss erlangten 25 Prozent (Deutsche: 41 Prozent) und die Hochschulreife nur fünf Prozent (Deutsche: 27 Prozent). Die Hauptschule ist damit die von Ausländern mit Abstand am häufigsten besuchte weiterführende Schule. Im Landkreis Biberach und in der Stadt Ulm wechseln etwa die Hälfte der ausländischen Grundschüler auf eine Hauptschule, im Alb-Donau-Kreis sogar zwei Drittel. „Bemerkenswert ist, dass das Schulwahlverhalten je nach Herkunftsland der Eltern sehr unterschiedlich ist. Ursache ist, dass sich die Bildungsaffinität der Elternhäuser deutlich unterscheidet“, erläutert Dr. Thomas Frank, ein Mitautor der Studie. Der IHK-Bildungsreport zeigt, dass zwischen 58 Prozent und 71 Prozent der Italiener, Portugiesen, Türken und Serben die Hauptschule besuchen. Griechen und Kroaten sind zu deutlich höheren Anteilen auch in Realschulen und Gymnasien vertreten.

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Hoher Anteil von Ausländern an Förderschulen

Entsprechend der Übergangsquoten sind die Anteile ausländischer Schüler an Haupt- und Förderschulen am größten. In der Stadt Ulm sind fast 43 Prozent der Hauptschüler ausländischer Herkunft. Besorgniserregend ist der hohe Anteil von Ausländern an Förderschulen. In Ulm sind über 43 Prozent der Förderschüler ausländischer Herkunft (in der Grundschule sind es nur 18 Prozent), im Alb-Donau-Kreis fast 30 Prozent (in der Grundschule sind es nur 8 Prozent) und im Landkreis Biberach über 19 Prozent (in der Grundschule sind es nur 4 Prozent). Damit verdoppelt bis verfünffacht sich der Ausländeranteil von der Grundschule in die Förderschule. „Dies könnte die direkte Folge mangelnder Sprachförderung sein. Ausländische Kinder werden bei Sprachdefiziten häufig auf die Förderschule abgeschoben, statt sie individuell zu fördern“, folgert Dr. Thomas Frank.

Zweijährige Kindergartenpflicht gefordert

Über 50 Prozent der nicht deutschsprachigen Kinder in der IHK-Region Ulm weisen im Einschulungstest Sprachauffälligkeiten auf. Den Kindern mangele es vor allem an Deutschkenntnissen. In fast 27 Prozent der Familien von Kindern in Tageseinrichtungen und öffentlich geförderter Kindertagespflege im Stadtkreis Ulm werde überwiegend kein Deutsch gesprochen. Im Alb-Donau-Kreis belaufe sich der Anteil auf fast 15 Prozent und im Landkreis Biberach auf über 12 Prozent. Die Kinder kämen dann oft erst im Kindergarten mit der deutschen Sprache richtig in Kontakt. Hinzu komme, dass Kinder mit Migrationshintergrund den Kindergarten seltener oder kürzer besuchten. „Eine zweijährige Kindergartenpflicht muss deshalb eingeführt werden“, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. Diese Kindergartenzeit ermögliche, Sprachdefizite von Kindern zu behandeln, damit Kinder bei der Einschulung die deutsche Sprache verstünden und aktiv beherrschten. Eine Analyse der PISA-Ergebnisse durch das Institut der deutschen Wirtschaft belegt, dass Kinder desto bessere Werte in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erreichen, je länger sie den Kindergarten besucht haben. „Die Schulreife aller Kinder, unabhängig von deren sozialer und kultureller Herkunft, muss sichergestellt werden. Nur dann stehen den Kindern alle Chancen für ihre spätere Schul- und Berufslaufbahn offen und nur dann kann der Fachkräftebedarf gesichert werden“, führt er aus.

Jungen bleiben hinter Mädchen zurück

Noch ungünstiger stehen die Chancen von männlichen Ausländern und Migranten. Denn Jungen, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, schneiden in ihrer Schullaufbahn deutlich schlechter ab als Mädchen. Jungen sind an Förderschulen und Hauptschulen in der IHK-Region Ulm überrepräsentiert. Im Gymnasium finden sich deutlich mehr Mädchen. Dementsprechend schließen Jungen auch deutlich häufiger mit einem Hauptschulabschluss ab als Mädchen (Jungen: 35 Prozent, Mädchen: 26 Prozent). Mädchen dagegen erreichen häufiger die Hochschulreife (Jungen: 22 Prozent, Mädchen 28 Prozent). „Neben der Mädchenförderung ist eine gezielte Jungenförderung notwendig“, schließt daraus der IHK-Hauptgeschäftsführer. Mehr männliche Bezugspersonen im Elementar- und Grundschulbereich seien hilfreich. Darüber hinaus könne eine Förderung von Jungen in sozialen und schulischen Kompetenzen vor allem in Ganztagesschulen stattfinden. Deshalb plädiert die IHK Ulm dafür, ein flächendeckendes Netz an Ganztagesschulen in der Region zu schaffen.

AUS- UND WEITERBILDUNG

Bildungsreport 2008

Zentrales Thema des ersten regionalen Bildungsreports der IHK Ulm ist die frühkindliche Bildung. Denn die ersten Lebensjahre eines Kindes sind entscheidend für den weiteren Bildungs- und Lebensweg. mehr

DOKUMENT-NR. 75778

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